Innenraum der Kirche mit Spiel von Licht und Schatten, von der Empore fotografiert

RĂŒckbesinnung auf die Wurzeln

Unser Baudenkmal Evangelische Apostelkirche

 

von Viktor Hell, Baukirchmeister

 

Veranlasst und erbaut wurde die Apostelkirche samt ihrer NebengebĂ€ude Mitte der 50er Jahre im heutigen Stadtteil Tannenbusch durch die Evangelische Kirchengemeinde Bonn-West. Wie in allen nach 1950 errichteten Stadtteilen war der Anteil der evangelischen Einwohner im Tannenbusch groß, so dass der Bau der Kirche notwendig wurde. Sie bildete den baulichen Kristallisationskern fĂŒr die 1964 ausgegliederte Apostelkirchengemeinde.

 

Das KirchengebĂ€ude wurde in direkter Nachbarschaft des Naturschutzgebietes „DĂŒne“ errichtet, einem interessanten geologischen PhĂ€nomen, das auf eiszeitliche Sandablagerungen alter RheinlĂ€ufe im Windschatten des Vorgebirges zurĂŒckgeht und bereits 1419 als „Auf dem Sandt“ urkundlich erwĂ€hnt wird.

 

Die Kirche wurde nach den PlĂ€nen der Bonner Architekten H.A. Rolffs und W. Orzol erbaut. Der schlichte rechteckige Grundriss ist in sĂŒd-nördlicher Richtung angelegt. Ihm folgt der kompakte Baukörper der Kirche, der stilistisch der zeittypischen Architekturauffassung Mitte der 1950er Jahre entspricht. Er ist mit innovativen Gestaltungselementen in originaler Bausubstanz einschließlich Innenausstattung nahezu erhalten.

Wesentliches Gestaltungsmerkmal ist die Asymmetrie des Kirchenraumes: Die Langachse des Kirchengrundrisses vom Altar ĂŒber die Achse des Ganges zwischen den beiden Bankblöcken bis hin zum Haupteingang ist gegenĂŒber der durch den Dachfirst vorgegebenen symetrischen mittigen Baukörperachse so nach Osten versetzt, dass eine Anordnung von Zweidrittel im westlichen zu Eindrittel im östlichen Kirchengrundrissteil durch die Bankblöcke erlebbar ist. So schufen die Architekten ein SpannungsverhĂ€ltnis, das einem eintönigen Erscheinungsbild entgegenwirkt und eine lebendige Gestaltung von Gottesdiensten und anderen Veranstaltungen begĂŒnstigt. Die gesamte architektonische Anordnung folgt diesem Prinzip: angefangen beim Haupteingang ĂŒber die Orgel auf der Empore, ĂŒber die Achse des Ganges zu den beiden Bankblöcken bis hin zu dem im Chorbereich stehenden Altar mit Wandkreuz.

Blick durch den Eingang in die Kirche, im Hintergrund ist das Altarkreuz zu sehen

Mit dem Umbau des Windfangs 2010 gestaltete die Gemeinde den Eingangsbereich nicht nur heller, offener und einladender, sondern nahm das ursprĂŒngliche Gesaltungsprinzip mit der EingangstĂŒr im GegenĂŒber zum Altar wieder auf und machte es so auch von außen her sicht- und erlebbar.

 

Als historisch bedeutendes KirchengebĂ€ude ist unsere Apostelkirche ein Zeugnis fĂŒr die Architektur, speziell die Kirchenarchitektur der 50/60er Jahre des 20. Jahrhunderts und die Geschichte des Bonner Vorortes bzw. Stadtteils Tannenbusch. Zusammen mit den GebĂ€uden unseres Gemeindezentrums und dem Pfarrhaus dokumentiert sie als GebĂ€udeensemble auch LebensverhĂ€ltnisse der Entstehungszeit und Entwicklung der evangelischen Bevölkerungsstruktur im Bonner Raum der Evangelischen Apostelkirchengemeinde – bis hin zu den in unserer Nachbarschaft sowie in unseren Nachbargemeinden lebenden und wohnenden Menschen.

 

Die Apostelkirche und das gesamte GebĂ€udeensemble haben fĂŒr unsere Gemeinde indentitĂ€tsstiftende und prĂ€gende Bedeutung. Die GebĂ€ude stellen in der besonderen Wechselwirkung zwischen Architektur und Gemeindeleben vitale Wurzeln und Tradition unserer Gemeinde dar.

 

Modernisierungen, die notwendig werden, um Wert, Gut und originale Substanz insbesondere des Gemeindezentrums fĂŒr die Zukunft zu bewahren, sollen an diese Tradition anknĂŒpfen. Gestalten im Geiste unserer Gemeindetradition bedeutet dann aber auch, im Gemeindeleben wurzelnde und diesem dienende Innovationen zuzulassen.

 

So können wir aus Überzeugung sagen: Willkommen bei unseren Wurzeln!

 

Quelle: Inhalte wurden teilweise der BegrĂŒndung zur Unterschutzstellung zum Baudenkmal durch die Denkmalschutzbehörde entnommen.

Evangelische Apostelkirche

Außenansicht Kirche im Sommer

Chronologie:

11.12.1955
Grundsteinlegung

28.10.1956
Einweihung des KirchengebÀudes

1956/57
Bau des Pfarrhauses

1957
Errichtung des Glockenturmes

1958
Windfanganbau

1957-1961
Bau des Gemeindezentrums

2010
Umbau des Windfangs

 

Erneuerter Eingangsbereich

Architekt Viktor Hell, Baukirchmeisterin Carola Schneider mit Blumenstrauß und Pfarrer Martin Hentschel bei der Einweihung des neuen Kircheneingangs

Viktor Hell (li.) mit Pfarrer Martin Hentschel und der damaligen Baukirchmeisterin Carola Schneider 2010 bei der Einweihung des neu gestalteten Kircheneingangs.